Jäggin + Schwendner, Flühstrasse 10, 4114 Hofstetten

WESHALB PFERDE-
ZAHNPFLEGE?

Den meisten Reitern ist es immer noch nicht bewusst, dass nicht nur die Pferdehufe, sondern genauso die Pferdezähne in unserer heutigen Haltungsform eine regelmässige Pflege brauchen. Das Gebiss des Pferdes ist nicht für unsere heutige Haltungsform und die entsprechende Fütterung mit vergleichsweise wenig strukturiertem Futter geschaffen. Das Pferd in der freien Wildbahn ist den ganzen Tag beschäftigt, nach hartem Steppengrass zu suchen und es zu zermahlen. Zudem wird das domestizierte Pferd deutlich älter als das Pferd in der freien Wildbahn. Die Gesundheit der Zähne hat einen grossen Einfluss auf die Rittigkeit und den Bewegungsapparat.

In unserer Praxis werden ungefähr 1500 Zahnbehandlungen pro Jahr durchgeführt.

TERMIN-VEREINBARUNG

Für Routinezahnbehandlungen muss mit einer Wartezeit von ca. 6 bis 8 Wochen gerechnet werden. Dringende Behandlungen (Rittigkeitsproblem) und Notfälle (Pferd kann nicht fressen) werden bevorzugt behandelt.

 

Die Zahnbehandlungen werden von Dr.med.vet. Christoph Jäggin und Dr.med.vet. Anna Schwendner durchgeführt.

ZAHN-BEHANDLUNGEN

Den meisten Reitern ist es immer noch nicht bewusst, dass nicht nur die Pferdehufe, sondern genauso die Pferdezähne in unserer heutigen Haltungsform eine regelmässige Pflege brauchen. Das Gebiss des Pferdes ist nicht für unsere heutige Fütterung mit vergleichsweise wenig strukturiertem Futter geschaffen. Das Pferd in der freien Wildbahn ist den ganzen Tag damit beschäftigt, hartes Steppengrass zu zermahlen. Zudem wird das domestizierte Pferd deutlich älter als das Pferd in der freien Wildbahn.

Unser modernes Pferd hingegen frisst:

  • mehrmals pro Tag Kraftfutter (verminderte Kautätigkeit)

  • weiches Gras und weiches Heu

  • nur wenige Stunden pro Tag Raufutter

Dies führt zu einer verminderten und ungleichmässigen Abnutzung der Backenzähne. Deshalb muss auch hier eine jährliche Kontrolle und Korrektur durch einen kompetenten Tierarzt stattfinden. 

Der aktuelle Stellenwert der Zahnheilkunde in der heutigen Pferdemedizin ist kein moderner Trend. Dies beweist das Zitat von Dr. Erwin Becker, 1943: 

«Wenn Hufpflege und Hufbeschlag aus der Notwendigkeit entstanden, die Arbeitsfähigkeit des Pferd durch das Gesunderhalten der Hufe zu sichern, so ist es in Zukunft die Aufgabe der ebenso wichtigen Zahnpflege, die Voraussetzung zu schaffen, dass das Pferd trotz der unvermeidbaren naturwidrigen Ernährung zu höchster Auswertung der im Futter enthaltenen Energien befähigt wird.» 

Durch den Einsatz als Reitpferd hat die Zahnbehandlung und die Zahnkontrolle eine ganze wichtige Bedeutung erlangt.

 

Das Pferdemaul

Das Pferd ist ein Weidetier, dessen Zähne dem grasen perfekt angepasst sind. Die Schneidezähne mit glatten Kauflächen dienen zum fassen oder abbeissen von Futter, und die Backenzähne mit grossen, breiten und rauhen Kauoberflächen dienen dem Zerkleinern des Futters, welches anschliessend abgeschluckt werden kann.

Wie beim Menschen besitzt das Pferd ein Milch- und ein permanentes Gebiss. Nur die Schneidezähne und die Prämolaren (2. bis 4.) haben entsprechende Milchzähne. Diese Zähne werden zwischen 2.5 und 5 Jahre gewechselt. Ein erwachsenes männliches Pferd hat 40 permanente Zähne, während eine Stute in der Regel nur 36 besitzt, da weibliche Tiere deutlich seltener Eckzähne (Canini) aufweisen.

Im Jahr schieben sich die Pferdezähne um etwa 1-3mm aus dem Zahnfach heraus und werden im Idealfall auch um diese Länge beim Fressen abgenützt.Zusätzlich sind die Backenzähne des Pferdes dachförmig nach aussen hin abfallend etwa 12 bis 15° gewinkelt und der Oberkiefer etwas breiter als der Unterkiefer. So kann das Pferd in einer kreisförmigen Kaubewegung seine Zähne einsetzen, um die harte pflanzliche Nahrung effektiv zu zerkleinern. Das Pferd kaut immer nur auf einer Seite und wechselt diese von Zeit zu Zeit.

Warum Zahnkontrolle und Behandlung

 

Grundsätzlich ist zu bemerken, dass Pferde auch mit Zahnschmerzen noch fressen. Sie leiden oft still und meist nur für den sehr aufmerksamen Beobachter zu erkennen.

Somit ist die jährliche Zahnkontrolle unerlässlich. Das junge Pferd wechselt 24 Zähne im Alter von 2 ½ bis 4 ½ Jahre. Durch die Kontrolle und Behandlung in diesem Zeitraum kann man viele Stellungsfehler beheben sowie Spätfolgen und grössere Korrekturen verhindern. Ein junges Pferd in Ausbildung sollte vorher unbedingt einer Zahnbehandlung unterzogen werden (Spitzen, Milchzahnkappen entfernen, Wolfszähne) – das erspart viele Rittigkeitsprobleme.

Die Zahnbehandlung des jungen Pferdes vor dem Anreiten/Ausbildung erachte ich als zwingend, zeitgemäss und pferdegerecht!

Die Alterserwartung unserer Pferd ist stark gestiegen und daher hat das Augenmerk auf die prophylaktische Zahnbehandlung stark zugenommen. Damit das Pferd auch im fortgeschrittenen Alter noch Heu fressen kann.

Hat ein Pferd Zahnschmerzen oder ist der Unterkiefer blockiert (verminderte Seitwärts und Vorwärtsbewegung), führt dies zu Schmerzen im Kiefergelenk und der Kaumuskulatur, daraus resultieren Verspannungen im Genick bis hin zum Rücken.

 

Ziel der Zahnbehandlung

 

 Die moderne Zahnbehandlung verfolgt verschiedene Ziele:

  • Entfernen von Spitzen, Haken und Rampen

  • Gleichmäßiger und angepasster Kontakt der Backenzähne herstellen

  • Schneidezähne kürzen und Winkel anpassen (falls nötig)

  • Wolfszähne entfernen (Reitpferd)

  • 3 Punktbalance anstreben (Schneidezähne-Backenzähne-Kiefergelenk im Gleichgewicht)

  • Gute laterale Exkursion des Unterkiefers (Seitwärtsbewegung)

  • Vorwärts-Rückwärtsbewegung Unterkiefer gewährleisten

 

Um gute Arbeit auf der Zahnkaufläche zu gewährleisten, benötigt man fundierte Kenntnisse und Erfahrung. Jede Änderung der Kronenhöhe führt zu einer veränderte Druckverteilung und Biomechanik.

 

 

Häufige Zahnprobleme

Backenzähne:

Spitzen, Haken, Rampen, Milchzahnkappen (1. bis 3. Backenzahn), Wellen-, Stufen-, und Scherengebiss Fehlerhafte Winkelung der Backenzahnreihe Frakturen, Karies, Parodontose, Zahnwurzelinfektionen

Wolfszähne:

In Gebisslage, blinde Wolfszähne (unter der Schleimhaut), abgebrochen Wolfszähne. Sollten beim Reitpferd unbedingt entfernt werden.

Schneidezähne:

Zu lang und steiler Winkel, unkorrekte Linie der Schneidezähne (schief oder gebogen), Milchzahnkappen, Frakturen, Karies, Parodontose Zahnstein, Zahnfleischentzündungen, EOTRH, Überbiss, Unterbiss,

Hengstzähne:

Zu lang und scharf, der Durchbruch beim jungen Pferd kann schmerzhaft sein, abgebrochene oder zu stark gekürzte Hengstzähne mit nachfolgender Pulpitis (Entzündung Wurzelhöhle) oder Infektion

Milchzähne:

Unregelmäßigkeiten im Zahnwechsel, Festsitzende Milchzahnkappen, Milchzahnsplitter

 

Wie erkennt man Zahnprobleme beim Pferd?

  • Fressunlust, gestörtes Fressverhalten

  • Abnorme Kaubewegung, Wickel kauen

  • Abmagerung, schlechtes Fell

  • Häufige Koliksymptome

  • Leistungsabfall

  • Speicheln, Stinkender Maulgeruch

  • Verhaltensstörungen (Aggressiv, apathisch)

  • Headshaking (Kopfschütteln)

  • Wiederholte Schlundverstopfung

  • Stinkender Nasenausfluss

  • Konturstörungen am Kopf

  • Rittigkeitsprobleme

  • Rückenprobleme

  • Chronische Lahmheiten

 

Wie wird eine zeitgemässe Behandlung durchgeführt?

 

Grundsätzlich werden Zahnbehandlungen nur am sedierten (Beruhigungsspritze) Pferd durchgeführt. Zudem braucht es für eine gründliche Zahnbehandlung ein Maulgatter, eine gute Lichtquelle und eine mit Wasser ausgespülte Maulhöhle.Dass die gründliche Untersuchung einer Maulhöhle und der Zähne nur mit Maulgatter, guter Lichtquelle und am sedierten Pferd durchzuführen ist, zeigt diese Aufnahme ganz deutlich.

 

 

 

Der Gebrauch von Kopfständer oder Hängehalfter erleichtert die Arbeit des behandelnden Tierarztes.

Eine Behandlung am unsedierten Pferd stellt ein Risiko für Pferd und Tierarzt und Hilfsperson dar. Die Anwendung einer Sedation ist unabhängig vom Charakter eines Pferdes. 

Auch von einem «lieben» Pferd kann man nicht erwarten, dass es sich bei Schmerzen nicht wehrt. Korrekturen an den letzten Backenzähnen sind für das Pferd meist sehr unangenehm aber ein Zeichen für eine gründliche und seriöse Zahnbehandlung .

Zahnbehandlungen mit maschinellen Aufsätzen werden unter Sichtkontrolle mit guter Lichtquelle vorgenommen werden.

Für eine Zahnbehandlung benötigen wir:

  • Einen ruhigen, zugfreien Ort, am besten die Box des Pferdes

  • Guter Untergrund (Gummiboden, Stroh)- kein Betonboden

  • Strom, sauberes und warmes Wasser

  • Eine Decke für das Pferd (Fliegen- oder Abschwitzdecke)

  • Einen geduldigen Besitzer

 

Das Pferd darf nach der Behandlung eine Stunde nicht fressen (anbinden oder Maulkorb)!

 

Das Behandlungsintervall beträgt in der Regel 12 Monate (1x pro Jahr). Bei jungen Pferden oder bei Problemgebissen kann ein 6-9 monatiges Intervall sinnvoll sein.

 

Instrumente

 

 Die Behandlung wird in der Regel mit maschinellen Aufsätzen durchgeführt. Der Gebrauch dieser Spezialinstrumente erlaubt uns eine genaue und schleimhautschonende Arbeit auszuführen.

Kosten

 

Die Kosten für eine Einzel-Routinezahnbehandlung belaufen sich zwischen 220 bis 280 Franken. Wolfszahnextraktionen, Schneidezahnkorrekturen und Spezialbehandlungen nach Aufwand.

Dringende Behandlungen (Notfälle innerhalb von 48h) werden in der Regel mit einem Zuschlag abgerechnet.